Einfach mal aufregen!

20. Mai 2010 » 20:02 Uhr » Tags , , , , » Kategorien Gedanken, Internet und Technik, Politik

Ist es nicht schön, dass man heutzutage den ganzen Tag bloggen und twittern könnte was einem so alles gegen den Strich geht? Diese Möglichkeiten der modernen Technik, Wahnsinn. Versteht mich nicht falsch, ich tue sowas nicht. Nie! Naja, fast nie. Es ist mal wieder an der Zeit ein bisschen Luft abzulassen. Zumindest fühlt sich dieses Hämmern im inneren meines Gehirns grade danach an. So, nochmal die Finger gestreckt, Kopf gegen die Wand gehauen und los geht’s…

Die FDP und das Erschwernis des Seins

Es scheint ja immer noch Menschen zu geben, die ernsthaft an der vermeintlichen Qualität der FDP festhalten. Wie kann man ein 3/4 Jahr nach der Wahl noch immer an ihr festhalten? Na klar, die FDP steht für Bürgerre… reech… arhg wie war das Wort noch gleich? Egal, die Grünen stellen also einen Antrag die EU zu rügen. Was, um ehrlich zu sein, wohl so oder so keinen großen Effekt gehabt hätte. Das Zensieren – Entschuldigung, ich meine natürlich das Zugangserschweren (Zugang verbieten wäre ja quasi Zensur und Zensur findet nicht statt) ist nicht der richtige Weg.

Da waren wir uns vor der Wahl mit der FDP einig  und im Grunde war das eine perfekte Situation für die FDP. Sich hinstellen, dem Antrag zustimmen, kurze Profilierungsphase und schließlich das kopfschüttelnde: “Das kommt von Europa, da können wir nichts tun.” Diesen Satz werden sie zwar trotzdem sagen (garantiert!), aber jetzt kann man sie dafür kritisieren. Sie haben eben nicht mal symbolisch etwas dagegen getan.

Im Grunde, wenn ihr meiner Argumentation folgen könnt, war das ganze also positiv für “uns”. Immerhin sind vielleicht weitere potentielle FDP-Wähler (ausgeschlossen: Apotheker,Hoteliere, Schwerreiche und Idioten) in drei Jahren nicht mehr so gutgläubig. Entschuldigung (Nummer zwei), habe beim schreiben die Crux entdeckt: die nächsten Wahlen sind in drei, DREI (3) Jahren.

Was ist eigentlich Suchen und wo tut man das?

Kommen wir zu einem ganz anderen Thema. Future Face of Media. Da sitzt Katja Marx von hr-Info (ein Sender den ich sogar mag) und will uns weis machen, dass die Zeiten in denen Menschen nach Informationen suchen vorbei sind. Moment was? Ich glaube auch nicht, dass sie das wirklich gemeint hat, lustig fand ich es trotzdem. Grob wiedergegeben sagte sie, dass die Zeiten in denen Menschen um Informationen zu bekommen gezielt zum Kiosk gingen um (selbstverständlich) eine Zeitung zu kaufen(!!!) vorbei seien. Wir Menschen suchen keine Informationen mehr wir wollen sie serviert bekommen und das umsonst kostenlos. Zum Thema kostenlos hatte sie noch beizusteuern, dass QualitätsInhalte kostenlos ins Netz zu stellen einer Verramschung (schreibt man das so?) gleichkommt.

Gut, ich gebe es zu. Es gab weit schlimmere Sprüche @ #ffm10 und der Perlentaucher und vor allem Carta haben das auch schon alles durch und durch analysiert. Mich interessiert natürlich vor allem meine Meinung und die sieht ungefähr so aus:

Bevor Verlage und Alteingesessene Medienmenschen nicht verstehen, dass sie mir, dem Informationssuchenden (gibt es) einen Dienst erweisen sollen, weine ich nicht einem von ihnen eine Träne nach. So lange ich mich durch Klickstrecken und redundante DPA-Meldungen wühlen muss kriegt “ihr” keinen Cent von mir. Jedes von sich aus spielende Video, jede Benutzerunfreundlichkeit macht “euch” ein bisschen ärmer. Die Liste dieser Benutzerunfreundlichkeiten ist so lang wie traurig. Man muss meist nicht mal einen Experten einstellen um auf diesen Trichter zu kommen. Ich glaube auch nicht, dass die Leser auf Dauer dumm genug sind und nicht erkennen das sie einerseits als Klickviech missbraucht und im gleichen Atemzug für ihre “Kostenloskultur” kritisiert werden. Versteht es endlich: Was ihr versucht ist zu dreist um zu funktionieren. Macht es richtig und dann zahle ich auch. Allerdings nicht für EINE Zeitung wie es sich viele wünschen. Ich glaube sowieso, dass das nie wieder der Fall sein wird. Wer will sich in Zeiten von Fefe schon auf eine Quelle verlassen? Richtig, FDP-Wähler niemand.

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Ähnliches wie die Brötchenversorgung durch den Staat könnte ich mir durchaus auch für das Allgemeingut Wissen vorstellen. Allerdings nicht wie jetzt durch die Übernahme von GEZ-Gebühren bei entsprechenden Voraussetzungen.Vielmehr muss der Staat den Zugang von Bedürftigen zu allen Medien gewährleisten.
Eine unabhängige Werbefinanzierung lässt sich in Praxis leider kaum dauerhaft durchsetzen. Dort gibt es immer wieder Interessenskonflikte. Da kenne ich aus meiner beruflichen Praxis zu genüge.
Ich glaube, das Streben der Medienkonzerne nach den alten "guten" Zeiten ist die Unfähigkeit der Entscheidungsträger mit den neuen Medien gute und profitablen Informationsgewinnung zu betreiben. Eine Lösung dafür wäre beispielsweise Mikropayment im vernüftigen Umfang - bespielsweise wenn ein interessanter Artikel nur 20 Cent kostet und ich diesen bequem bezahlen könnte.
Sofern Du allerdings ein anderes tragbares Geschäftsmodell entwickelt hättest, würdest Du mit Sicherheit offene Türen in Medienunternehmen einrennen.

Werbefinanzierung geht ja auch ohne redaktionellen Druck. Das muss natürlich Voraussetzung sein.
Zu deinem Bäckerbeispiel: Wenn sich jemand keine Brötchen (bzw. Essen) leisten kann, wird ihm das durch den Staat finanziert. Das kann man jetzt je nach politischer Einstellung gut oder schlecht finden, es sichert aber die Grundversorgung mit einem Allgemeingut.
Es können mit Sicherheit Geschäftsmodelle erdacht werden, die sich für beide Seiten lohnen ohne eine Paywall aufzubauen. Die muss man halt finden. Das wird aber nicht passieren wenn ewig gestrige immerzu daran arbeiten den Status Quo von gestern wieder herzustellen.

Die ideale Lösung finden wird in der Tat nicht einfach sein. Tatsache bleibt aber, dass die derzeitge Situation der kostenlosen Informationsversorgung im Internet auf Dauer nicht umsetzbar ist. Qualität kostet Geld. Neben der direkten Bezahlung von Content durch den Leser bleibt nur die werbefinanzierte Bezahlung. Jedoch ist diese Bezahlform nicht unumstritten, denn selten kann dann noch wirklich objektiv und unabhängig berichtet werden. Das ich Menschen vom Zugang zu Informationen ausschliesse, wenn für diese Informationen Geld verlangt wird, ist für mich kein Argument, um Informationen weiterhin kostenfrei anzubieten. Denn der Medienbereich ist derzeit mit einer der einzigen Wirtschaftszweige, wo ich als Verbraucher so viel kostenlos erhalte. Auf andere Bereiche unseres Lebens reflektiert: Es würde wohl kaum jemand auf die Idee kommen und vom Bäcker die kostenlose Brötchenversorgung verlangen, bloß weil durch die Bezahlung ich Menschen von der Nahrungsversorgung ausschliesse.

Das ist meiner Meinung nach ein weiteres Geschäftsmodell das sich gar nicht durchsetzen kann. Ich will kein Print mehr. Ich bin froh wenn ich weitgehend Papierfrei leben kann. Wozu hab ich einen Kindle, ein Smartphone, einen Laptop und all die anderen Geräte?
Auf diesen Geräten bin ich unter Umständen bereit zu zahlen ABER nicht auf Magazinbasis (ausser es deckt wirklich genau meine Bedürfnisse), sondern auf Artikelbasis. Die Zeitungsmacher denken dabei gerne an sowas wie 1,99€ pro Artikel, was natürlich Unfug ist.
Nur weil ich keine Printerzeugnisse kaufe, bin ich weder ein "Anhänger" der "Kostenloskultur", noch will ich nur oberflächlich informiert werden.

Ein weiteres Problem gibt es generell bei dem bezahlen von Qualitätsjournalismus. Journalismus und die dadurch geschaffene Informationsgenerierungsmaschienerie ist ein Dienst für die Gesellschaft. Wenn ich jetzt Geld für gewisse Informationen verlange, sperre ich automatisch Menschen aus, die dadurch weniger gut Informiert sind als andere. Klar, die Journalisten müssen FAIR bezahlt werden. Der Weg dahin ist aber nicht so einfach wie man sich das vorstellt, also das einfach gekauft werden muss.

Naja, dass die FDP sich nicht wirklich für Bürgerrechte einsetzen würde, sollte klar denkenden Menschen schon vor der Wahl bewusst gewesen sein. Die FDP ist und bleibt halt eine Lobbypartei der oberen Mittelschicht.
Leider kann ich Deine Meinung zu Thema Zukunft der Medien nicht ganz teilen. Ich stimme Dir zu, dass das Medienangebot und deren Vermarktung derzeit äußerst fragwürdig ist und oft nur als kostenloser Content auf den Markt gebracht werden kann. Diese Mehrfachnutzung von Information in Medien nimmt immer schlimmere Ausmaße an. Wer fundierte Hintergrundinformationen haben möchte, muss lange suchen. Aber hier liegt meiner Meinung nach die Chance der Medienunternehmen. Für Qualitätsjournalismus kann und sollte auch Geld verlangt und ausgegeben werden. Ein interessanten Ansatz verfolgt dazu ein bekanntes Medienhaus aus Berlin. Sie wollen in naher Zukunft Kurzmeldungen und Nachrichten nur noch online anbieten. Damit erreicht man auch eine Aktualität, die eine normale Tageszeitung so nicht bieten kann. Das detailierte Hintergrundwissen soll dann in der Printausgabe erscheinen, die natürlich etwas kostet. Mal schauen, ob das Experiment gelingt.

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