Inspiration und Frustration

18. August 2008 » 16:52 Uhr » Tags , , , , , » Kategorien Gedanken, Photografie

Jeder, ob Hobbiist oder Profi, welcher in einem kreativen Umfeld arbeitet braucht Inspiration in irgendeiner beliebigen Form. Ob ich Fotograf, Designer, Journalist oder Graffitikünstler bin, ich brauche Quellen der Inspiration um mich weiter zu entwickeln und meine eigene Arbeit in einen bestimmten Kontext zu rücken.

Jeder hat wohl seine eigenen Quellen. Der eine besucht Austellungen ein andere liest und Leute wie ich surfen – vor allem auf allerlei Fotografie Seiten wie deviantArt, Flickr, Fotocommunity, Fotoblog und einer vielzahl von weiteren Seiten. Die Fülle von unterschiedlichen Stilen, Techniken und vor allem Szenen aus der ganzen Welt sind kaum zählbar. Ich bin heute in der Lage mir 24 Stunden täglich und das jeden Tag im Jahr Bilder anzuschauen, die ich noch nie gesehen habe – und wenn ich es nicht will auch nie wieder sehen werde.

Dieses abgrasen von Inspiration bringt mich immer wieder zum Fotografieren. Ich sehe ein Bild und verspüre sofort Lust aus dem Haus zu gehen und zu fotografieren. Was dann kommt ist weniger schön.

Ich fotografiere seit ca. einem Jahr, seit acht Monaten mit einer DSLR. Ich bin also, um es mal deutlich zu sagen, nicht wirklich gut. Ich will nicht sagen, dass es nicht möglich ist nach einem Jahr sehr gut zu sein, aber ich bin es nicht. Und ich habe damit eigentlich auch kein Problem wenn es nur nicht so frustrierend wäre täglich hunderte von sehr guten Fotografien zu bewundern um dann herauszufinden, dass ich ähnliche zu produzieren nicht in der Lage bin. Wobei ich mich diesbezüglich auch verteidigen muss, da dass nicht in jedem Fall an mir liegt sondern auch zumindest teilweise der Ausrüstung, der Gegend um mich herum un dem Wetter verschuldet ist.

Der normale Ablauf ist also folgender. Ich surfe und schaue mir Bilder an, meine Finger fangen an zu kribbeln und ich muss/will rausgehen um zu fotografieren. Ich packe meine Sachen, versuche nichts zu vergessen, leere meine Speicherkarten und stehe schließlich vor der Tür um dann zu merken, dass ich weder weiß wohin noch was ich fotografieren soll.

Die Möglichkeiten hängen doch stark vom Umfeld der eigenen Wohnung ab, zumindest dann, wenn man nicht mobilisiert ist und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. Nun ist ein Teil meines Problems, das ich der Stadtfotografie nur wenig abgewinnen kann. Das heisst ich muss, wenn ich in Hamburg bin, erstmal eine halbe bis dreiviertelstunde Fahrt in Kauf nehmen um an einen Ort zu kommen der mir womöglich gefällt, aber doch nie mit dem mithalten kann was ich auf Fotos die ich mir Stunden zuvor angeschaut habe.

Das ist widerum nicht wirklich schlimm. Ich laufe umher und mache Fotos, wobei ich zumindest meistens versuche aktiv ein Bild zu gestalten. Dieser Prozess macht auch meistens Spass und ich kann das genießen. Die eigentlich Frustration kommt später, dann wenn die Bilder von der Kamera auf den PC übertragen sind und ich sie erstmals in voller (25%) Größe betrachten kann. Spätestens jetzt wird mir der Unterschied zu dem was ich selbst gerne angucke bewusst. Es ist einfach nicht so gut. Wobei das widerum auch nicht richtig ist, denn was ist gut und was ist schlecht? Es ist eben anders als dass was ich selbst mag. Und das ist frustrierend. Dieses ständige Vergleichen ist frustrierend.

Und doch liebe ich dieses Vergleichen. Das soll kein Appell sein sich weniger Bilder anderer Fotografen anzusehen, nichts dergleichen. Ich will lediglich ein bisschen darüber reden wie es mir teilweise damit geht. Es ist auch nicht immer so. Ich habe Bilder gemacht die mir immer noch gefallen. Ich kann sehen, dass sie nicht das beste sind was jemals ein Fotograf geschaffen hat aber ich mag sie.

Das schlimmste an Bildern die ich selbst sehr gerne mag ist, das ich damit häufig relativ alleine bin. Zumindest was die Internetöffentlichkeit betrifft. Durch die schiere Menge an Bildern ist es nämlich gleichermaßen schwierig selbst eine Öffentlichkeit für die eigenen Bilder zu finden ohne direkt auf sie hinzuweisen. Das habe ich zwar schon das ein oder andere mal getan, will ich aber eigentlich nicht.

Also, langsam muss ich zu dem Punkt kommen an dem ich erkläre was dieser Artikel eigentlich soll. Naja, eigentlich hat er keinen wirklichen Zweck, er dient mehr dazu mir meine Probleme zu erklären und einfacher mit ihnen umgehen zu können. Ich glaube, dass ich damit nicht alleine bin. Nicht nur nicht alleine sondern vermutlich einer unter sehr vielen.

Was kann man dagegen tun – beziehungsweise muss man etwas dagegen tun? Ich denke mittlerweile, dass der beste Weg der ist Spass zu haben und die sehr guten Bilder anderer Fotografen nicht als Maßstab sondern als reine Inspiration zu “benutzen”. Man muss den Neid auf Aufmerksamkeit und Können ablegen um sebst befreit auf die Sache zuzugehen. Ich glaube, dass man erst dann in der Lage ist seinen eigenen Stil zu finden und mit seinem Bildern zufrieden sein kann – auch wenn sie offensichtlich nicht mit Qualität gesegnet sind.

Für mich ist das schwierig. Ich war schon immer ein sehr kompetativer Mensch und das nervt mich meistens. Ich will immer mehr Hits, mehr Kommentare mehr mehr mehr. Selbst wenn ich wollte, es ist mir einfach nicht egal so sehr ich es versuche. Allerdings ist es wohl auch der einzige Grund, warum ich in irgendetwas besser werde. Man braucht es und hasst es weil es vom genießen einer Tätigikeit nur der Tätigkeit halber abhält.

Und jetzt? Jetzt gehe ich fotografieren, photografieren, photographieren.

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